Auch Menschen mit Beeinträchtigungen sollen am Arbeitsleben teilnehmen können – das ist hehres Ziel in Deutschland. Denn ein strukturierter Alltag und ein eigenes Einkommen ermöglichen soziale Teilhabe und ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben. Genau das wünscht sich auch Steve Heid aus Landau. Der 21 jährige liebt Pflanzen und hilft derzeit dem Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) bei der Grünpflege der Stadt. Sein größter Wunsch: eine echte Arbeitsstelle, die seinen Fähigkeiten entspricht und bei der er richtig anpacken kann. „Unser Team hat Herrn Heid ins Herz geschlossen, er arbeitet prima mit und bereichert mit seinem trockenen Humor das Arbeitsklima“, berichtet Jörg Birkmeyer. Als Leiter des EWL-Bauhofes trägt er Verantwortung für 54 Mitarbeiter, die sich in Landau um Sauberkeit, Grünpflege, Ausbesserungen von Straßen und Wegen sowie um den Winterdienst kümmern.
Verantwortung in die Tat umgesetzt
Die Träger von sozialen Einrichtungen finden ein offenes Ohr beim EWL - und das nicht nur, weil es dort einfach zu erlernende Tätigkeiten gibt. Soziale Verantwortung muss auch in die Tat umgesetzt werden, findet der Bauhof-Leiter: „Arbeit ermöglicht Integration, sei es für Menschen mit Behinderungen oder Suchterkrankung. Auch wenn Langzeitarbeitslose wieder an den Arbeitsalltag zurückgeführt werden sollen, unterstützen wir.“ Als städtischer Betrieb zeige der EWL hier bewusst Flagge. Gerade seine Mitarbeiter im Grünpflegeteam übernehmen dabei große Verantwortung, unterstreicht Jörg Birkmeyer. Denn es kommt nicht nur auf die fachliche Anleitung an: Auch muss stets die Leistungsfähigkeit des Einzelnen mit berücksichtigt, viel motiviert und begleitet werden.
Seit etlichen Jahren bietet der EWL Schülern mit Förderbedarf Praktika zum Übergang in den Beruf an.
Komplizierter Rechtsrahmen
Die Südpfalzwerkstatt gGmbH begleitet auf verschiedene Art und Weise Menschen mit Beeinträchtigung auf Arbeitsplätzen außerhalb der Werkstatt. Steve Heid absolviert eine Qualifizierung auf einen Arbeitsplatz im Rahmen eines sogenannten ausgelagerten Berufsbildungsbereiches. Wenn alle Beteiligten am Ende der Maßnahme nach 27 Monaten mit der Arbeitssituation zufrieden sind, ist es das Ziel im Betrieb weiterbeschäftigt zu werden. „Er hat sich persönlich weiterentwickelt und trifft bewusstere Entscheidungen. Dies ist das Ergebnis seiner hohen intrinsischen Motivation und einem von Empathie und Akzeptanz getragenen Umfeld im Kreise seiner Kollegen in der Grünpflege“, freut sich Ursula Nether über die gelungene Integration. Als Mitarbeiterin im Integrationsmanagement der Südpfalzwerkstatt hält sie den Kontakt zwischen ihrem Klienten, dem Betrieb und der Familie. Sie berät diese auch zu den nächsten Schritten, die möglichst in ein eigenverantwortliches Leben führen. Großes Ziel aller Beteiligten ist ein festes Arbeitsverhältnis im Rahmen des Budgets für Arbeit, denn die Berufsbildungsmaßnahme wird am 30. November 2016 enden. „Wir sind mit verschiedenen Stellen bei der Stadt und mit dem Sozialträger im Gespräch“, erklärt Jörg Birkmeyer. Denn die Rahmenbedingungen für die sozialrechtliche Anbindung von Menschen, die nicht volle Leistung erbringen können, sind kompliziert. Nicht nur Kranken- und Rentenversicherung sind zu regeln, sondern auch die Frage der Finanzierung einer weiteren Begleitung. Dennoch sind die Verantwortlichen des EWL guten Mutes, dass sie eine Lösung finden, von der alle Beteiligten profitieren: Für Steve Heid hieße das ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Eigenständigkeit und irgendwann sogar zu einem eigenen Hausstand. Für den EWL bedeutet dies einen sympathischen Mitarbeiter, der zwar Anleitung braucht, aber beherzt zupackt und gut zum Grünpflege-Team beim städtischen Dienstleister passt.