Rund 5,4 Millionen Euro investiert der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) im kommenden Jahr; der größte Teil davon fließt in Projekte der Abwasserbeseitigung. Bei der Vorstellung des Wirtschaftsplanes 2017 am Montag (12. Dezember) hob Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender des EWL hervor: „Unser Ziel ist es, das öffentliche Vermögen in seinem Wert zu sichern und den Aufwand hierfür auf die Generationen zu verteilen, die die Anlagen nutzen.“ Dies gilt in besonderem Maße für die Kläranlage und das Landauer Kanalsystem. Denn durch das Wachsen der Kommune und immer komplexere gesetzliche Vorgaben ist die Stadt Landau hier gefordert; im EWL hat sie jedoch einen kompetenter Partner in Sachen Umweltschutz an ihrer Seite, der auch die wirtschaftliche Seite der Maßnahmen im Blick und Griff hat. Das zeigen die Ergebnisse der vergangenen Jahre. Für 2017 plant der städtische Betrieb über alle Betriebszweige Erträge von 19,64 Millionen Euro (2016: 19,11 Millionen Euro). Ihnen setzt der Vorstandsvorsitzende Bernhard Eck 19,17 Millionen Euro (2016: 18,97 Millionen Euro) an Aufwendungen gegenüber.
Bereits in diesen Tagen gestartet sind die Kanalarbeiten im Godramstein. Dort, sowie in Arzheim, Nußdorf sowie in Teilen der Kernstadt wird der EWL 2017 rund vier Millionen Euro alleine in Erneuerungsmaßnahmen investieren. Dazu zählen auch neue Hausanschlüsse ans Abwassernetz. Zweck der geplanten Maßnahmen ist die Abdichtung von Anschlüssen und Rohren. Dazu werden diese teilweise mit sogenannten Inlinern ausgekleidet. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, führte der EWL-Vorstand aus und fügte an: „Das haben Aufnahmen von speziellen Kameras aufgezeigt, mit denen wir turnusmäßig unsere Rohrleitungen befahren.“ Für die Arbeiten hat sich der EWL eng mit der Stadt abgestimmt, diese werden abschnittsweise umgesetzt.
Zusätzlich wird der EWL im kommenden Jahr rund 400.000 Euro in die Kläranlage investieren. Dort stehen unter anderem die Erneuerung der Rechen sowie der Umbau der Klärschlammhalle an. Die genannten Modernisierungsschritte kann der EWL nur durch zusätzliche Einnahmen finanzieren. Aus diesem Grund hat der Verwaltungsrat einer Erhöhung der Schmutzwassergebühren für 2017 auf 1,36 Euro je Kubikmeter bereits zugestimmt, die Entscheidung im Stadtrat steht am 13. Dezember an. Für einen Haushalt mit vier Personen bedeutet das eine Mehrbelastung von rund 8,40 pro Jahr; etwa 1,20 Euro mehr kommen im Jahr auf einen Einpersonenhaushalt zu. Die Gebühr für die Oberflächenentwässerung bleibt unverändert. „Betrachtet man allerdings andere Kommunen in Rheinland-Pfalz, liegt Landau bei den Abwassergebühren auch nach der Erhöhung in 2017 im günstigen unteren Drittel“, hielt Dr. Maximilian Ingenthron fest. Die Einnahmen aus den Schmutzwassergebühren seien die wichtigste Erlösquelle des Betriebszweigs, gefolgt von Kostenbeteiligungen der Verbandsgemeinden an der Kläranlage.
Sorgen bereitet den Abwasserexperten des EWL derzeit der Landauer Klärschlamm: Denn wegen erhöhter Belastung mit Cadmium und Quecksilber muss dieser seit dem Sommer 2016 verbrannt werden. „Das ist mit einem zusätzlichen Aufwand im sechsstelligen Bereich verbunden“, führte Bernhard Eck aus, „wir suchen nach der Quelle für die Belastungen mit den Schwermetallen. Denn als Umweltpartner der Stadt Landau wollen wir nicht auf diesen Zusatzkosten sitzen bleiben.“
Im Betriebszweig Abfall plant der EWL im kommenden Jahr mit Aufwendungen von rund 5,33 Millionen Euro; geplant sind Erträge von rund 5,5 Millionen Euro. Aktuell ist die Verbrennung des Landauer Restabfalls im Müllheizkraftwerk Pirmasens etwas günstiger als ursprünglich prognostiziert. Das schafft Spielraum für die Stabilität der Abfallgebühren.
Lange geplant und inzwischen in der Umsetzung ist der neue Wertstoffhof in Landau-Mörlheim. Laufen die Arbeiten wie geplant, kann die neu konzipierte Anlaufstelle in Sachen Recycling und umweltgerechter Entsorgung für die Landauer Bürger im November 2017 in Betrieb gehen. Zur Realisierung des Bauprojektes stehen 3,75 Millionen Euro zur Verfügung, die der EWL ohne Aufnahme von Fremdmitteln finanziert.
Im Betriebszweig Bauhof geht der EWL von Aufwendungen in Höhe von 3,69 Millionen Euro aus, den größten Anteil haben hier die Personalkosten. In diesem Zusammenhang hat der Verwaltungsrat in seiner letzten Sitzung die Anpassung der Verrechnungssätze beschlossen. Für Leistungen von Fachkräften werden künftig 46,20 Euro je Stunde, für Hilfskräfte 41,16 Euro je Stunde angesetzt. „In diesen Stundensätzen sind neben dem Personalaufwand auch Umlagen für die Liegenschaft, für Teile des Fuhrparks und für die Verwaltung enthalten“, veranschaulichte Bernhard Eck die Kalkulation. Er betonte, dass dieser Verrechnungssatz seit 2008 nur um etwas mehr als sechs Prozent gestiegen ist, die Personalkosten im selben Zeitraum wegen tariflicher Rahmenbedingungen dagegen um etwa 22 Prozent.
Einen besonderen Blickwinkel hat der EWL, wenn es um integrative Aufgaben ins Arbeitsleben geht. So gehören zwei Inklusionsarbeitsplätze und eine gärtnerische Hilfskraft zum Bauhof-Team. „Das ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der sich der EWL stellt. Die Mitarbeiter wollen das auch – und das zeichnet unser Bauhof-Team aus“, lobte Dr. Maximilian Ingenthron. Für 2017 plant der EWL dort rund 420.000 Euro Investitionen in den Fuhrpark, die Betriebsausstattung und den Ersatz von Parkscheinautomaten.
Ebenfalls eigene Betriebszweige stellen die Straßenreinigung und die interne Serviceeinheit des EWL dar. Letztere besteht seit 2015, ihr sind alle übergreifenden oder nicht spezifisch zuordenbaren Aufgabengebiete des EWL zugeordnet. Insgesamt kalkuliert der Betriebszweig Service 2017 mit einem Ertrag von 2,2 Millionen Euro, denen ein Aufwand von 2,19 Millionen Euro entgegensteht. Hauptposten auf der Aufwandseite sind die Personalkosten in Höhe von 803.000 Euro. Hinzu kommen betriebliche Aufwendungen von rund 891.000 Euro für Bürogebäude, EDV, Versicherungen sowie Prüfungs- und Beratungskosten. Erträge erwirtschaftet der Betriebszweig durch die Verrechnung von Verwaltungs- und Dienstleistungen. Der Betriebszweig Straßenreinigung weist auf der Ertragsseite 0,64 Millionen Euro aus, sie steigt im Vergleich zum Vorjahr durch zusätzliche Flächen in der Südstadt. Aufwendungen für 2017 sind mit 0,75 Millionen Euro kalkuliert. Die höchsten Aufwandspositionen sind Kehr- und Reinigungsleistungen durch Dienstleister. Der Betriebszweig Straßenreinigung plant einen Verlust, die Differenz wird durch vorhandene Rücklagen ausgeglichen. Im Vermögensplan sind Mittel für die Ersatzbeschaffung weiterer Abfallbehälter vorgesehen.
Als Verwaltungsratsvorsitzender begleitet Dr. Maximilian Ingenthron den EWL nun seit fast einem Jahr. „Nicht nur Vorstand und Führungskräfte nehmen ihre Verantwortung für das Unternehmen, die Stadt Landau und ihre Bürger sehr ernst – sondern das ganze Team des EWL“, lobte der Bürgermeister. Im neuen Amt hatte er an den verschiedensten Stellen des EWL hinter die Kulissen geschaut und mitangepackt: bei der Papiersammlung, bei der Leerung der Biomüllgefäße, bei nächtlichen Kontrollfahrten des Winterdiensts und bei Abwasserproben in der Kläranlage. Die Herausforderungen, die der EWL zu bewältigen hat, sind groß: Es gilt unter anderem die Infrastruktur für die wachsende Kommune Landau bereitzustellen und die Verwertung des Restabfalls mittelfristig weiterzuentwickeln. Auch die Zusammenarbeit im Zweckverband Abfallverwertung Südwestpfalz will entwickelt werden.
Um der Verantwortung des städtischen Betriebes für Bürger und Umwelt gleichermaßen gerecht bleiben zu können, sind enorme Investitionen notwendig: Hier hat der EWL mit dem Wirtschaftsplan 2017 eine wichtige Messlatte angelegt: Dabei bewegen die geplanten 5,4 Millionen Euro an investiven Maßnahmen sich im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. „Das Gute daran ist: Wir kommen ohne zusätzliches Fremdkapital aus“, informierte Bernhard Eck. Das Wörtchen „Wirtschaft“ im Namen trage der EWL so gesehen auch aus dieser Sicht zu Recht, meinte Dr. Maximilian Ingenthron abschließend.