Eine Stadt feiert: Vor 750 Jahren, am 30. Mai 1274, erhielt die Stadt Landau aus den Händen des damaligen Königs Rudolf I. die Rechte einer Stadt. Ein ungemein wichtiger Meilenstein, den das Landauer Stadtarchiv zum Anlass für eine historische Zeitreise nimmt. Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und ihre Mitarbeitenden stellen jede Woche eine von insgesamt 52 Biografien von Landauerinnen und Landauern vor und werfen so spannende Schlaglichter auf 750 Jahre Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Heute: Margarete von Sponheim-Kreuznach.
Viel wissen wir nicht von ihr, der zweiten Ehefrau von Emich IV. von Leiningen. 1268, sechs Jahre vor der Verleihung der Stadtrechte, begegnet sie uns in einer zentralen Landauer Urkunde. In diesem Schriftstück begünstigen Emich und seine zweite Ehefrau Margarete ein Hofgut des Eußerthaler Kloster in Landau, am Standort der Roten Kaserne, und weitere Klostergüter in Bornheim und Dammheim. Diese Urkunde gilt bis heute als eine Ersterwähnung Landaus, hier sprechen Emich und seine Frau auch zum ersten Mal von „ihrer Stadt Landau“.
Wer war nun jene Margarete von Sponheim? Margarete war die einzige Tochter und Erbin des Grafen Eberhard II. von Jülich aus dem Hause Hengebach. Auch sie war verwitwet, ihr erster Mann, Simon I. von Sponheim-Kreuznach, war 1264 im Alter von 49 Jahren gestorben. Die Grafschaft Sponheim war ein ehemaliges reichsunmittelbares Territorium in der Nahe-Hunsrück-Gegend. Im gleichen Jahr war auch die erste Ehefrau Emichs, Elisabeth d' Aspremont, auf der Burg Landeck verstorben.
Nur wenige Monate später schlossen nun Emich IV. und Margarete von Sponheim-Kreuznach eine mit erheblichen Geldsummen einhergehende Heiratsvereinbarung, die auch die Vermählung ihrer Kinder vorsah: So sollte der Sohn Emichs die Tochter Imagina von Sponheim und Adelheid von Leiningen den Sohn Margaretes, Johann den I. von Sponheim, ehelichen. Man beschloss eine Dreifachhochzeit, von Zuneigung war dabei keine Rede.
Zweck dieser Eheschließungen waren Erhaltung und Ausweitung der politischen und wirtschaftlichen Macht. Und für Emich lagen die Vorteile klar auf der Hand: Mit dieser Ehe vergrößerte er seine Machtposition und auch Margarete konnte für sich und ihre Kinder einen standesgemäßen Einfluss sichern.
Als Herrschaftsaufgabe wurde adeligen Frauen die Beeinflussung ihrer Ehemänner zur Barmherzigkeit aufgetragen. Konkret sollten sie als Petentin und Vermittlerin agieren. Und das insbesondere in Angelegenheiten der Religion, des Glaubens und der Kirche.
Insofern war es für unsere mittelalterliche Stadtgesellschaft von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung, dass dem regional einflussreichen Eußerthaler Kloster, in Landau wirtschaftliche Vorteile eingeräumt wurden. Margarete starb 1291, zehn Jahre nach ihrem Ehemann Emich.
Übrigens: Sohn Emich V. heiratete schließlich doch nicht seine Stiefschwester, sondern eine Tochter der Kunigunde von Habsburg, wahrscheinlich die bessere Partie.