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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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26.04.2024

Landauer Leute: Die Revolutionärin: Marianne Carré

Revolutionen, so die traditionelle Geschichtsschreibung, sind Männersache. Seit einigen Jahrzehnten nimmt die historische Frauenforschung auch die Akteurinnen in den Blick und erweitert damit die historischen Erkenntnisse. Eine wichtige Feststellung ist, dass Frauen in zentralen Umbruchszeiten relevante Funktionen übernehmen: Als aktive Kämpferinnen auf Barrikaden, als Herstellerin revolutionärer Symbolik oder als häusliche Unterstützerin der männlichen Revolutionäre. Das Problem ist, dass diese Frauen im historischen Schriftgut der Stadt namenlos bleiben. So kennen wir keine revolutionär gesinnte Frauen, obwohl der Protokollband des Landauer Jakobinerklubs überliefert ist. Frauen tauchen hier lediglich als „Jungfrauen im weißen Kleid, mit grünen Zweigen in der Hand“ beim Herstellen und Überbringen revolutionärer Symbolik auf. Eine Ausnahme ist Marianne Carré.

Am 28. September 1765 wird sie als Tochter von Peter Adrian Carré und Anna Maria Rummer in Landau geboren. Ihre Eltern sind Bürger der Stadt, der Vater steht in Diensten des französischen Major de la Valle. Im September 1793 hat Marianne ihren historischen Moment: Die französische Festung Landau wird seit April von mindesten 10.000 Mann belagert. Das Ziel war zunächst eher eine Blockade, mit dem Plan einer Aushungerung der Garnison und der Bevölkerung. Niemand in der Stadt weiß, wie lange noch Tausende verproviantiert werden müssen. Der Festungskommandant Laubadière sieht nur die militärischen Bedürfnisse, die Zivilbevölkerung spielte keine Rolle bei seinen Überlegungen. Man sucht nach Lösungen. Schon beschließt man das Töten der Landauer Hunde. Als Ultima Ratio denkt der Kommandant laut über die Ausweisung der Zivilbevölkerung nach. Nun ist es die 28-jährige Landauerin, die, zumindest laut Johannes Birnbaum, den Sie schon in der letzten Woche kennenlernten, den Mut aufbringt und öffentlich gegen die Ausweisung plädiert.

Johannes Birnbaum, 1793 mitten im Landauer revolutionären Geschehen aktiv, schildert das so: „Mademoiselle Mariane Carré, gewandt in der Kunst Männer-Herzen zu bestricken, in der französischen Sprache, wie in der deutschen, bewandert und mit einer ebenso geläufigen Zunge als unwiderstehlichen Reizen begabt, bringt die Soldaten zum Wanken, und selbst zum Murren gegen den unmenschlichen Befehl.“ Es waren sicher nicht nur die zweisprachige Beredsamkeit und die weiblichen Reize der Landauerin, die die Ausweisung der Zivilbevölkerung verhinderte, auch politische Gründe sprachen dagegen: Festungskommandant Laubadière fürchtete sicher ein Ende der revolutionären Begeisterung in der Region, falls man die Bewohner dem Feind überließ. Die Protokolle der Sitzungen des Landauer Jakobinerklubs indessen, erwähnen das beherzte weibliche Auftreten nicht. Dennoch ist Marianne Carré nicht vergessen: Seit 2011 ist eine Straße im Landesgartenschaugelände nach ihr benannt.

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