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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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05.07.2024

Landauer Leute: Fanny Becht

Eine Stadt feiert: Vor 750 Jahren, am 30. Mai 1274, erhielt die Stadt Landau aus den Händen des damaligen Königs Rudolf I. die Rechte einer Stadt. Ein ungemein wichtiger Meilenstein, den das Landauer Stadtarchiv zum Anlass für eine historische Zeitreise nimmt. Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und ihre Mitarbeitenden stellen jede Woche eine von insgesamt 52 Biografien von Landauerinnen und Landauern vor und werfen so spannende Schlaglichter auf 750 Jahre Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Heute: Fanny Becht.

Alle Schülerinnen, die zur Maria-Ward-Schule gingen oder gehen, kennen sie: Fanny Becht, die Schulgründerin der heutigen Maria-Ward-Schule, die sich vor allem der weiblichen Bildung im 19. Jahrhundert zuwandte und die die erfolgreichste Privatschule in Landau gründete.

Die 1827 in Landau geborene Tochter eines Musiklehrers, beschloss bereits zu einem frühen Zeitpunkt, sie hatte gerade ihre Schulausbildung in einer Mädchenschule im Elsass abgeschlossen, sich vollständig der Mädchenerziehung zu widmen. Nachdem sie ihre Prüfungen mit hervorragenden Ergebnissen abgelegt hatte, gründetet sie 1858 eine „Private Unterrichts- und Erziehungsanstalt“ für Mädchen im Haus ihrer Eltern in der Fleischbankgasse 45, in der heutigen Badstraße.

Die Zahl der Schülerinnen wuchs stetig, und so investierte sie 1876 in den Bau einer neuen Schule in der Westbahnstraße 19/21.

Fanny Becht war bestrebt, die Mädchen sowohl mit den für ihren späteren Lebensberuf notwendigen und nützlichen Kenntnissen und Fertigkeiten auszustatten, als auch insbesondere „ihr Gemüt zu veredeln“, wie dies ein mehrsprachiges Werbeprospekt versprach. Dabei war das Augenmerk auf „Ordnung und feine Sitte, auf bescheidene Einfachheit und weibliche Anmuth der Zöglinge gerichtet, und Fanny Becht sicherte ihren Schülerinnen mütterliche Sorgfalt und Pflege zu.

Eine weibliche Schulbildung, die neben den elementaren Schulfächern wie Lesen, Schreiben und Rechnen weiterführende intellektuelle Inhalte vermittelte, schien für die meisten Zeitgenossen wenig erstrebenswert. Da das bürgerliche Mädchen dazu bestimmt sei „(...) einmal das eigenste Eigenthum eines Einzigen zu werden und im kleinen Kreis zu wirken“ schien eine intellektuelle Erziehung und Bildung weder notwendig noch für die weibliche Sittlichkeit und Moral förderlich. Nicht nur Adolf von Knigge, der uns heute noch als „Benimmpapst“ in Erinnerung ist, überfiel eine “Art von Fieberfrost“ bei dem Gedanken einer „weiblichen Gelehrsamkeit“, auch andere prominente Zeitgenossen waren der festen Überzeugung, dass das „Frauenzimmer (...) ohne Zweifel nicht in die Hörsäle und Studierzimmer der Gelehrten“ gehörte. Demgemäß wurden die Mädchen auch in den südpfälzischen Schulen fast ausschließlich in den sogenannten schöngeistigen Fächern unterrichtet. Unter Fanny Bechts engagierter Führung gelangte die Bildungseinrichtung zu sehr hohem, auch internationalem, Ansehen. Aus allen Teilen Deutschlands, sogar aus Indien und Japan, schickten Eltern ihre Töchter auf diese Schule, zu der auch ein Pensionat gehörte.

Bei diesem enormen Zulauf reichten selbst die neuen Räumlichkeiten bald nicht mehr aus.

In dieser Situation griffen ihr ihre Landauer Freundinnen Antoinette Demontant und Emma Geenen unter die Arme, mit deren finanzieller Hilfe der Neubau in der Cornichonstraße 1 errichtet werden konnte, eine für damalige Verhältnisse außerordentliche unternehmerische Leistung der drei Frauen. 1896 überließ Fanny Becht die Schule der Kongregation der „Englischen Fräuleins“. Dort lebte sie bis zu ihrem Todestag am 20. Dezember 1907.

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