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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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11.10.2024

Landauer Leute: Im Widerstand: Heinrich Stützel

Eine Stadt feiert: Vor 750 Jahren, am 30. Mai 1274, erhielt die Stadt Landau aus den Händen des damaligen Königs Rudolf I. die Rechte einer Stadt. Ein ungemein wichtiger Meilenstein, den das Landauer Stadtarchiv zum Anlass für eine historische Zeitreise nimmt. Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und ihre Mitarbeitenden stellen jede Woche eine von insgesamt 52 Biografien von Landauerinnen und Landauern vor und werfen so spannende Schlaglichter auf 750 Jahre Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Heute: Heinrich Stützel.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bildeten sich bald vielerorts Widerstandsgruppen. Aktiven Widerstand leisteten in den Anfangsjahren des NS-Regimes vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die nach dem 30. Januar 1933 besonders unter Verfolgung und Terror zu leiden hatten. Einer dieser Widerstandskämpfer war der Landauer Sozialdemokrat Heinrich Stützel. Der gebürtige Landauer wurde am 20.10.1899 geboren. Von Beruf war er Schneider, er war verheiratet und hatte vier Kinder.

Heinrich Stützel war schon seit Ende der 20er-Jahre in Landau im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, in der sozialistischen Arbeiterjugend und gewerkschaftlich organisiert. Wie andere Sozialdemokraten beteiligte er sich zu Beginn der 1930-er Jahre an zahlreichen Demonstrationen gegen die NSDAP und geriet zunehmend in deren Visier. Nun im Frühjahr 1933, die „Machtergreifung“ wurde auch in der Provinz vollzogen, wurde er wie viele andere politisch missliebige und jüdische Männer in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Über einen Monat, von März bis April 1933, musste er nun mit anderen südpfälzischen Häftlingen in der Fortkasene, im Bereich, des heutigen Universitätscampus, einen Fußballplatz für die HJ anlegen.

Im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien hatte sich die SPD im März 1933 geweigert, dem „Ermächtigungsgesetz“ Hitlers zuzustimmen. Daraufhin wurde ihr am 22. Juni 19330 jegliche politische Tätigkeit verboten. Anfang 1934 nahmen nun auch Vertrauensleute der einzelnen pfälzischen SPD-Gruppierungen in der Südpfalz erstmals Kontakt zueinander auf und verabredeten ein gemeinsames Treffen. Das Treffen fand am 6. Mai 1934 im Pfälzer Wald am Asselstein, einem Felsen bei Annweiler, statt. Man hatte dieses Datum gewählt, da Josef Goebbels, mittlerweile Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, auf einer Grenzlandkundgebung in Zweibrücken sprach, und das Risiko, entdeckt zu werden, relativ gering erschien. Die genaue Anzahl der Teilnehmer des Treffens ist unbekannt, es müssen mindestens elf Personen gewesen sein. Um die jeweiligen Personen zu schützen, wurden Pseudonyme benutzt, Heinrich Stützel erhielt den Decknamen „Lauf“.

Man beschloss die illegale Tätigkeit stärker zu vernetzen, neue Widerstandsgruppen zu bilden, Schulungsabende zu veranstalten und Flugblätter zu verteilen. Weitere Treffen fanden im Juli unter anderem auch in Landau statt. Ende Juli 1934 wurde die Widerstandstruppe jedoch denunziert und aufgedeckt. Ende September wurden die meisten Teilnehmer des Asselstein Treffens festgenommen und im Mai 1935 vom Obersten Landgericht München verurteilt. Heinrich Stützel wurde am 17. Mai 1935 wegen eines „Verbrechens der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte nach Strafende auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.

Im Januar 1937 wurde er aus dem Zuchthaus in Straubing entlassen, und er kehrte zu seiner Familie nach Landau zurück. An eine geregelte Berufstätigkeit war nun nicht mehr zu denken: Wöchentlich musste er sich polizeilich melden, eine Anstellung erhielt er weder in Landau noch in anderen Städten kaum noch. Die Gestapo meldete stets die „politische Unzuverlässigkeit“ an potenzielle Arbeitgeber. Bis nach Kiel verschlug es den Familienvater, ehe er dann ab Herbst 1939 endgültig in Landau bei verschiedenen Schneidern eine zumindest zeitlich begrenzte Anstellung fand. Auch stand er weiterhin unter besonderer Kontrolle der Gestapo Neustadt. Vor allem seine Ehefrau und die noch minderjährigen Kinder müssen unter dieser Stigmatisierung als „Verräter“ ganz besonders gelitten haben.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler in der Nacht vom 08.10.1939 im Münchner Bürgerbräukeller, wurde auch Heinrich Stützel in der Nacht erneut verhaftet und verhört. Vor allem nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er mehr als 40 Mal von der Neustadter Gestapo verhört, da er angeblich Kontakt zu elsässischen Widerstandskämpfern gepflegt habe.

Heinrich Stützel starb im März 1951, 2011 wurde eine Straße nach ihm im Wohnpark Am Ebenberg benannt.

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