Täglich rauschen gut zehn Millionen Liter Wasser durch die Mischwasserkanäle bis zur Kläranlage in Landau-Mörlheim. Über 230 Kilometer Rohre sind dafür notwendig. Sehen kann man von der Abwasserführung nur wenig, die meisten Rohre liegen verborgen unter Straßen, Wegen und Grün. Alle zehn Jahre führt der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) eine Inspektion mit einer Videokamera im Kanalnetz durch, um den Zustand des Bauwerks zu überprüfen – so schreibt es der Gesetzgeber vor.
Doch der Einsatz der Spezialkameras ist weitaus mehr als nur eine Pflichtveranstaltung. „Die Bilder liefern uns wichtige Anhaltspunkte für die Unterhaltsplanungen der nächsten Jahre“, erklärt Friedrich Menacher, beim EWL seit vielen Jahren Leiter der Abwasserabteilung. In die letzte Kamerabefahrung des Landauer Kanalnetzes hat der EWL rund 450.000 Euro investiert. Das Ergebnis: Die Korrosion der Betonröhren schreitet voran. „Das ist nicht neu. Schließlich gibt es im Abwasser nicht nur organische Substanzen, sondern auch biologische Prozesse, die zur Korrosion führen. Ihr Umfang hat uns aber doch überrascht“, fasst der Experte die ersten Erkenntnisse der Untersuchungen zusammen.
Sind alle Bilder ausgewertet, fließen die Erkenntnisse in das nächste Abwasserbeseitigungskonzept der Landauer Abwasserführung ein. In dem Dokument, das für einen Zeitraum von sechs Jahren erstellt wird, werden räumliche Schwerpunkte, die Art von Maßnahmen und auch der erste Kostenrahmen festgehalten. Die Herausforderung dabei: Arbeiten so zu bündeln, dass sie möglichst kostengünstig sind. Ein Kanalrohr ist auf eine Lebensdauer von rund 50 Jahren ausgelegt. Schäden wie zum Beispiel Korrosion treten aber schon vorher auf: „Ein defekter Kanal wird saniert bevor er ganz seinen Dienst versagt. Dadurch werden Umweltschäden wie beispielsweise eine Grundwasserverschmutzung vermieden und es kann auch eine Lebensdauer von mehr als 50 Jahren erreicht werden“, beschreibt Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron die Strategie des EWL. Er vergleicht Investitionen in Infrastruktur wie Straßen, Ver- oder Entsorgungsnetze mit der Forstwirtschaft: Eine Generation pflanzt, damit die nächste ernten kann. So arbeitet der EWL ebenso vorausschauend wie nachhaltig.